Wie Bienen durch das Jahr kommen – vom Frühjahr bis zum Winter
von Summselei
Das Bienenjahr beginnt im Herbst des Vorjahres
Aus imkerlicher Sicht beginnt das neue Bienenjahr bereits im Spätsommer und Herbst des Vorjahres. In dieser Zeit entscheidet sich, wie stark und gesund das Volk in den Winter geht und wie gut der Start im Frühjahr gelingt.
Jetzt passiert im Bienenstock einiges:
- die Brut wird zurückgefahren
- die Sommerbienen sterben allmählich ab
- die Winterbienen werden aufgezogen
- Vorräte werden angelegt
- das Volk richtet seinen Wintersitz ein
Ab Spätsommer zieht das Volk eine besondere Bienen-Generation auf: die Winterbienen. Winterbienen unterscheiden sich deutlich von Sommerbienen:
- Sommerbienen leben ca. 4–6 Wochen
- Winterbienen können 4–6 Monate überleben
Sie haben größere Fettkörper, speichern Eiweißreserven und füttern im Frühjahr die erste Brut. Damit Winterbienen gesund entstehen, ist die Arbeit des Imkers zu dieser Zeit entscheidend.
Dazu gehören u. a.:
- Varroa-Management (z. B. organische Säuren, biotechnische Verfahren)
- Wintereinfütterung (je nach Region und Tracht 12–20 kg)
- Sicherung der Pollenversorgung (für die Aufzucht)
- Kontrolle der Volksstärke
Nur ein gesundes Volk mit ausreichend Futter kann den Winter tragen und im Frühjahr die Tracht nutzen.
Überwinterung – die Ruhephase
Im Winter sitzen Bienen nicht reglos oder schlafend im Stock, sondern bilden die sogenannte Wintertraube. Die Königin sitzt im Zentrum, umgeben von Winterbienen.
Bienen halten keinen Winterschlaf – sie bleiben auch durch den Winter hinweg aktiv und heizen die Traube durch Bewegung ihrer Flugmuskulatur. Dabei "zittern" die Bienen mit den Muskeln, ohne die Flügel zu bewegen – ähnlich wie ein kleines Kraftwerk.
Durch diese Muskelkontraktionen herrschen je nach Position und Aktivität außen ca. 8–12 °C und innen im Kern der Bienentraube ca. 20–25 °C.
Wenn die Brutzeit wieder beginnt, kann es im Zentrum der Traube bis zu 35 °C werden – auch im Januar/Februar bei frühen Trachtregionen.
Restentmilbung im Dezember
Wenn es richtig kalt wird, stellt die Königin das Eierlegen ein. Das bedeutet, dass das Volk eine Weile keine neue Brut hat. Dieses Zeitfenster kann der Imker – nach sorgfältiger Kontrolle – nutzen, um eine Restentmilbung durchzuführen.
Dabei wird häufig per Träufel- oder Sublimationsbehandlung mit organischen Säuren die Varroa-Belastung reduziert. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit für ein gesundes Bienen-Frühjahr. Ob und wie behandelt wird, hängt von Betriebsweise und Region des Imkers ab sowie der Witterung, da die Brutpausen nicht jedes Jahr gleich ausfallen.
Frühjahr – Brutbeginn & Aufbau
Mit dem ersten Pollenangebot (Hasel, Weide, Ahorn, Obstblüte) startet der Brutzyklus wieder. Die Königin erhöht ihre Eiablage je nach Witterung und Tracht sehr schnell. In der Hochzeit kann eine Königin bis zu 1.500–2.000 Eier pro Tag legen. Eine enorme Leistung, wenn man bedenkt, dass eine junge Bienenkönigin nur ein mal in ihrem Leben zum Begattungsflug ausfliegt und danach bis zu 4 Jahre in ihrem Volk leben kann.
Ein starkes Volk umfasst in der Hauptsaison ca. 30.000–50.000 Bienen, teils auch darüber. Mit dieser Stärke nutzt das Volk die reichen Angebote der Frühtracht bis zum Mai und der Spättracht bis in den Juli/August und lagert Honig im Bienenstock ein.
Sommer – Sammelphase & Spättracht
Jetzt arbeiten die Flugbienen fast pausenlos. Den Taunus um Oberstedten, Oberursel und Bad Homburg prägen u. a. folgendes Trachtangebot:
- Rapsfelder im Vordertaunus Obstbäume
- in Gärten & Streuobstwiesen
- Wildblumen
- Linden
- manchmal vielleicht auch Honigtau von Blattläusen
Nach der Sommertracht endet der sichtbare Teil des Bienenjahres für viele. Für die Bienen beginnt im Herbst jedoch wieder der Aufbau und die Vorbereitung für das nächste Jahr.
Herbst – Abschluss & Neubeginn
Nach der letzten Ernte schließt sich der Kreis: Das Volk baut ab und startet gleichzeitig das nächste Bienenjahr, indem es Winterbienen aufzieht und sich wieder auf die Traube vorbereitet.
Saisonalität des Honigs
Honig ist – anders als im Supermarkt – ein Saisonprodukt. Bei uns bedeutet das:
- Frühtracht: Ernte im Mai und verfügbar ab Juni
- Spättracht: Ernte im Juli/August und verfügbar ab Spätsommer
Viele unserer Kundinnen und Kunden schätzen genau diese Natürlichkeit.
Regionale Besonderheiten im Hochtaunuskreis
Der Taunus prägt das Bienenjahr auf seine Art:
- etwas kühlere Frühjahre
- Obstbau im Umland
- Streuobstwiesen
- Rapsfelder im Vordertaunus
- Mischwald mit Linde und Honigtau
Deshalb schmeckt Taunus-Honig nicht wie Alpenhonig oder Rheinhonig – und das ist das Schöne daran: Honig ist Landschaft.