Varroa destructor – kleiner Parasit mit großen Folgen
von Summselei
Die Varroamilbe (Varroa destructor) gehört zu den bedeutendsten Parasiten der westlichen Honigbiene (Apis mellifera). Ohne wirksame Gegenmaßnahmen würde die Varroa viele Völker stark schwächen und zum Absterben bringen. In der modernen Imkerei ist die Varroa-Kontrolle deshalb ein zentraler Bestandteil.
Was ist die Varroamilbe?
Die Varroamilbe stammt ursprünglich aus Asien und parasitierte dort die östliche Honigbiene (Apis cerana), die Abwehrmechanismen gegen sie entwickelt hat. Mit der Ausbreitung der europäischen Honigbiene gelangte die Varroa weltweit in die Imkereien.
Typische Merkmale:
- ca. 1,1 × 1,6 mm klein
- rotbraun gefärbt
- flach-oval, ideal um sich zwischen den Segmenten der Biene zu verstecken
- mit bloßem Auge erkennbar
Fortpflanzung der Varroamilbe
Die Varroamilbe kann sich ausschließlich in der verdeckelten Brut vermehren. Dazu dringt die Milbe kurz vor der Verdeckelung in die Brutzelle ein und bleibt dort bis zum Schlupf der jungen Arbeiterin oder Drohne. In dieser Phase soll sich eigentlich die Bienenpuppe vollständig entwickeln – kommt jedoch eine Varroamilbe rechtzeitig in die Zelle, nutzt sie diesen Zeitraum für ihre eigene Fortpflanzung.
Nach der Verdeckelung beginnt die Milbe mit der Eiablage. Das erste Ei ist in der Regel ein männliches Ei, danach folgen mehrere weibliche Eier in zeitlichen Abständen von jeweils etwa 30 Stunden. Die Milben entwickeln sich parallel zur Bienenpuppe und ernähren sich überwiegend vom Fettkörper der Biene. Das Männchen paart sich innerhalb der Zelle mit seinen Schwestern, bevor die Biene schlüpft.
Beim Schlupf nach etwa 21 Tagen (bei Arbeiterinnen) bzw. 24 Tagen (bei Drohnen) verlassen die geschlechtsreifen weiblichen Milben gemeinsam mit der jungen Biene die Zelle und befallen neue Brutzellen. Das Männchen verbleibt in der Zelle und stirbt dort, da es außerhalb nicht überlebensfähig ist. Durch den Befall kann die schlüpfende Biene geschwächt oder durch Viruserkrankungen (z. B. DWV) deutlich geschädigt sein.
Varroa schädigt die Biene
Lange Zeit wurde angenommen, die Milbe ernähre sich von der Hämolymphe der Biene (vergleichbar mit „Blut“). Die Forschungsarbeiten von Dr. Samuel Ramsey (USDA, 2017–2019) konnten jedoch nachweisen:
Die Varroamilbe ernährt sich überwiegend vom Fettkörper der Honigbiene.
Der Fettkörper ist eines der wichtigsten Organe der Biene. Er ist beteiligt an der Immunabwehr, dem Energiestoffwechsel und weiteren überlebenswichtigen Körperfunktionen. Das erklärt, warum Varroa-Befall zu geschwächten Winterbienen, höherer Viruslast und verkürzter Lebensdauer führt.
Zusätzlich zu den direkten Schäden überträgt die Milbe verschiedene Viren, wie zum Beispiel dem Flügeldeformationssvirus (DWV / Deformed Wing Virus) oder dem akuten Bienenparalysevirus (ABPV / Acute Bee Paralysis Virus)
Diese Virusbelastung ist oft der entscheidende Faktor für den Zusammenbruch eines Volkes – besonders im Winter.
Warum Winterbienen entscheidend sind
Die wichtigsten Bienen im Varroa-Kontext sind die Winterbienen, die ab August/September aufgezogen werden. Sie müssen nicht wie ihre Schwestern im Sommer nur ca 3 Wochen sondern mehrere Monate leben. Sie heizen und tragen das Volk durch den Winter.
Ist der Varroa-Befall in der Phase der Entwicklung zu hoch, führt er zu schwachen Winterbienen. Das kann dazu führen, dass Völker bereits im Herbst unter dem enormen Druck sterben oder es nicht über den Winter schaffen (Auswinterungsverluste).
Aus diesem Grund ist es unerlässlich im Sommer regelmäßig zu kontrollieren und zu reagieren.
Behandlung in unserer Imkerei
Wir setzen auf eine biotechnische Varroa-Behandlung, also auf Verfahren, die möglichst ohne den Einsatz chemischer Akarizide auskommen. Zu diesen Methoden gehören bei uns unter anderem die totale Brutentnahme und das Königinnen käfigen in Verbindung mit einer Oxalsäureträufelbehandlung in brutfreiem Zustand.
Behandelt wird bei uns erst nach Bedarf und erst nach der zweiten Honigernte. Die Varroabelastung wird zuvor engmaschig überwacht – entweder über die Windelkontrolle (natürlicher Milbenfall) oder über die Puderzuckermethode. Im Dezember führen wir eine Restentmilbung durch, sobald die Völker aufgrund der niedrigen Temperaturen brutfrei sind. Mit diesem Vorgehen konnten wir bislang alle Völker erfolgreich über den Winter bringen.
Langfristig geht es jedoch nicht nur darum, die Milbe saisonal in Schach zu halten. Die moderne Imkerei arbeitet an einer Varroatoleranz, bei der Bienenvölker bessere Mechanismen entwickeln, um mit der Varroamilbe selbst zurechtzukommen. Dieses Ziel spiegelt sich auch im Projekt Varroa 2033 wider, einer Initiative, die darauf abzielt, die Abhängigkeit von Behandlungen bis zum Jahr 2033 deutlich zu reduzieren. Im Fokus stehen dabei unter anderem gezielte Zuchtprogramme, die Förderung hygienischen Verhaltens, brutfreie Phasen sowie angepasste Betriebsweisen, die die Resilienz der Bienenvölker stärken.