Grünland-Temperatursumme

von Summselei

Die Grünlandtemperatursumme ist ein Hilfswert, der angibt, wie weit der Vegetationsbeginn im Jahr fortgeschritten ist. Sie basiert auf Temperaturmessungen und wird vor allem eingesetzt, um den Frühjahrsbeginn besser einschätzen zu können.

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Ursprung und ursprünglicher Einsatz

Aufnahme von Kirschblüten

Die GTS stammt aus der Agrar- und Grünlandwirtschaft. Dort dient sie dazu, den optimalen Zeitpunkt für Vorgänge wie erste Düngergaben, dem Weidebeginn, Schnittnutzung im Grünland oder Auswinterungsbeurteilungen zu ermitteln.

Sie eignet sich vor allem deshalb, weil sie Temperaturverlauf über Wochen hinweg berücksichtigt und nicht nur einzelne Wetterereignisse wie den ersten warmen Tag.

Wie wird die Grünlandtemperatursumme berechnet?

Die klassische Berechnung der GTS beginnt am 1. Januar eines Jahres. Es wird im ersten Schritt die durchschnittliche Temperatur eines Tages (T_mean) ermittelt.
In der Meteorologie in der Regel so: T_mean = (T_max + T_min) / 2

T_max ist hier die Höchsttemperatur des Tages und T_min die Tiefsttemperatur des Tages.

Im nächsten Schritt werden die positiven Tagesmitteltemperaturen (also ausschließlich die Werte, die über 0 °C liegen) mit dem Faktor 1 multipliziert – außer im Januar und Februar. Da Pflanzen in diesen beiden Monaten noch wenig vegetationsbereit sind, werden die Tage im Januar werden mit 0,5 multipliziert und alle Tage im Februar mit 0,75. Ab einschließlich März gilt dann der Faktor 1. Die Summe dieser Werte ergibt dann die Grünlandtemperatursumme.

Die Formel lautet dann:

GTS = Σ (T_mean × Faktor) mit Faktor X

 

Welcher GTS-Wert ist entscheidend?

Als wichtiger Schwellenwert gilt der Bereich von 200 bis 250 °C. Er zeigt auf, dass der Vegetationsbeginn erreicht wurde. In der Landwirtschaft markiert dieser Bereich z. B. den Zeitpunkt für die erste Düngergabe auf Wiesen.

Anwendung in der Imkerei

In der Imkerei wird die Grünlandtemperatursumme genutzt, um den Frühjahrsbeginn und Trachtstart besser einschätzen zu können, z. B. für:

Start der Bestäubungs- und Flugaktivität
Honigbienen beginnen bei steigenden Temperaturen mit Reinigungsflug und Nektarsuche.

Zeitpunkt von Erweiterungsmaßnahmen
Zargen-Erweiterung oder das Aufsetzen von Honigräumen orientieren sich teils am Vegetationsstand.

Einschätzen der Blühphasen
Viele Frühtrachten (z. B. Salweide, Obstblüte) hängen eng am Vegetationsbeginn.

 

Praxisbezug für Imkerinnen und Imker

Für die Imkerei bedeutet der Wert von GTS ≈ 200 häufig: Die Vegetation startet – die Weiden blühen bald.

Und damit beginnt das erste nennenswerte Angebot an Nektar und Pollen. Besonders wichtig ist die Salweide als erste große Pollenquelle im Jahr.

Weitere Anhaltspunkte:

  • ab ca. 200 GTS: Frühblüher, Weiden
  • ab ca. 300 GTS: Obstblüte
  • ab ca. 400 GTS: Beginn früher Massentrachten (je nach Region)

(Die Werte sind regional unterschiedlich, dienen aber als grobe Orientierung.)

 

Warum ist die GTS sinnvoller als „Datum X“?

Im Gegensatz zu einer festen Kalenderuhr berücksichtigt die GTS:

  • kalte Frühjahre → verzögerte Entwicklung
  • milde Frühjahre → früherer Start

Dadurch ist sie robuster gegenüber Wetterschwankungen und deckt besser ab, was Bienen tatsächlich vorfinden.

Die Grünlandtemperatursumme ist ein thermischer Vegetationsindikator, der aus der Agrarwirtschaft stammt und seit Jahren auch im Gartenbau und der Phänologie eingesetzt wird. Für Imkerinnen und Imker ist die GLT eine wertvolle Planungsgrundlage im Frühjahr und hilft zu verstehen, wann die Natur wirklich startet – und damit auch, wann die Bienen aus dem Winter kommen und die ersten Trachtquellen zu blühen beginnen.

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