Frühtracht, Spättracht & warum Honig unterschiedlich schmeckt
von Summselei
In diesem Beitrag erklären wir, was dahintersteckt, wie Honig entsteht, warum Sorten unterschiedlich schmecken und weshalb Honig cremig gerührt wird.
Was ist Frühtrachthonig?
Die Frühtracht bezeichnet den ersten Honig des Jahres. Sie entsteht im späten Frühjahr – bei uns im Taunus normalerweise im Mai, wenn die Natur explosionsartig aufwacht. Typische Pflanzen für die Frühtracht sind:
- Rapsfelder rund um die Taunusorte
- Obstblüten wie Apfel, Kirsche und Zwetschge
- Löwenzahn
- Ahorn
- frühe Wildblüten
Unser Frühtrachthonig ist hell, cremig und mild. Viele beschreiben ihn als zart-süß mit einer dezenten Frühjahrssnote. Durch den hohen Glucose-Anteil kristallisiert er relativ schnell – das ist völlig normal und sogar ein Qualitätsmerkmal.
Wir rühren den Honig cremig, um die feinen Kristalle gleichmäßig zu verteilen und eine streichzarte Konsistenz zu erhalten.
Was ist Spättrachthonig?
Die Spättracht folgt im Sommer – bei uns im Juli bis August. Jetzt blüht im Taunus anderes:
- Obstbäume tragen noch Nektar
- Linden spenden spät honigtauhaltigen Nektar
- Wildblumen und Sommerblüten stehen in voller Sonne
- teilweise gibt es Honigtau von Blattläusen
Der Geschmack der Spättracht ist deutlich aromatischer, fruchtiger und oft ein wenig dunkler als der Frühjahrshonig. Manche Menschen schmecken eine leichte Fruchtnote oder eine Art Sommerwiese heraus – Geschmack ist immer auch Erfahrungssache.
Auch dieser Honig wird cremig gerührt und in 250-g-Gläser abgefüllt. Er kristallisiert meist langsamer als die Frühtracht.
Warum wird Honig überhaupt cremig gerührt?
Die meisten Honige würden von selbst kristallisieren, weil sie natürliche Zucker enthalten – vor allem Glucose und Fructose. Wie schnell das passiert, hängt davon ab
- wie viel Glucose enthalten ist (viel » kristallisiert schneller)
- welche Pflanzen beteiligt sind
- welche Temperatur vorherrscht
Beim Rühren werden die sich bildenden Kristalle fein verteilt, bevor sie zu großen Kristallen anwachsen. Das Ergebnis ist ein cremiger und streichzarter Honig.
Warum kristallisiert Honig?
Kristallisation ist kein Fehler oder Qualitätsmangel, ganz im Gegenteil – es ist ein ganz natürlicher Prozess.
In kurzen Worten: Glucose wird fest und Fructose bleibt flüssig. Je höher der Glucoseanteil, desto schneller wird der Honig fest.
Raps zum Beispiel kristallisiert sehr schnell – daher die typische Frühtracht-Konsistenz. Sommerhonige mit höherem Fructoseanteil bleiben länger flüssig.
Viele Kunden fragen uns manchmal, ob fester Honig „schlecht“ geworden sei – die Antwort ist klar: nein. Man kann Honig sogar wieder verflüssigen, indem man das Glas in warmes Wasser (max. 40 °C) stellt und ganz vorsichtig erwärmt.
Wie entsteht der Geschmack von Honig?
Die Aromen entstehen durch:
- Tracht (welche Pflanzen & wann)
- Region & Klima
- Bearbeitung
- Reifegrad & Wassergehalt
Wir ernten grundsätzlich mit einem Wassergehalt unter 18 %, wie es für hochwertigen Honig üblich ist. Dadurch wird der Honig haltbar, ohne erhitzt werden zu müssen – Hitze würde feine Aromen und wertvolle Inhaltsstoffe zerstören.
Wie lagert man Honig richtig?
Honig mag es:
- kühl
- trocken
- dunkel
Hitze, Sonne oder eine Lagerung im Kühlschrank mag er nicht. Eine Speisekammer, ein Keller- oder Vorratsschrank ist perfekt.
Richtig gelagert hält guter Honig jahrelang.
Regionale Besonderheiten im Taunus
Honig ist ein echtes Landschaftsprodukt. Der Taunus und der Hochtaunuskreis bieten den Bienen eine interessante Mischung aus Obstbaumwiesen, Feldern, Gärten, Streuobst, Mischwald und Parkanlagen. Das prägt sowohl Früh- als auch Spättracht und erzeugt Geschmacksprofile, die man nur in Honigen vom Imker findet.
Viele unserer Kunden oder besser "Honigliebhaber" kommen aus Oberursel, Bad Homburg und umliegenden Orten im Hochtaunuskreis wie Steinbach, Kronberg und Friedrichsdorf und holen sich ihren Honig deshalb immer direkt bei uns.